Können wir unsere Jugend noch erreichen?

Immer weniger junge Menschen wollen sich langfristig an eine Organisation binden. Die alten Sozialmilieus brechen weg, die politischen Parteien müssen ihnen nicht mehr die Welt erklären. Das bedeutet nicht automatisch Politikverdrossenheit der Jugend. Viele Menschen sind einfach organisationsmüde. Gerade junge Menschen meiden zunehmend Parteien und Vereine, weil ihnen diese, in Versammlungsroutinen erstarrten Organisationen, nicht die Anreize bieten die ihren Beteiligungsbedürfnissen und –ansprüchen entsprechen würden. Dahinter steht die Überlegung, dass sich Beitritt und Mitmachen lohnen müssen. Jugendliche treten nur in eine Organisation ein, wenn dieser Schritt auch belohnt wird. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Partizipationsansprüche erhöht und die Jugendlichen verlangen verstärkt nach aktions- und erlebnisbetonten Beteiligungsgelegenheiten.


Und es gibt inzwischen viele andere Möglichkeiten sich politisch zu engagieren. Organisationen wie Greenpeace, Attac oder Bürgerinitiativen bieten Mitwirkungsformen, die sich politische Parteien mit ihren festen Strukturen vielfach nicht leisten können. Vor allem junge Menschen scheuen die Ochsentour durch die Parteien, wollen sich kurzfristig engagieren, Spaß haben und schnell gestalten können. Die Bereitschaft Jugendlicher sich zu engagieren setzt einen „Zeitwohlstand“ voraus: „Man muss sich den Luxus leisten können, für eine Partei oder einen Verein die Ärmel hochzukrempeln.“ Immer weniger junge Menschen können diese Zeit aufbringen, weil die Anforderungen durch die Verkürzung von Schul-, Ausbildungs- und Studienzeiten immer höher werden.

Und so sind es meist die unter 30-Jährigen, die der Parteipolitik den Rücken kehren oder gar nicht erst zu ihnen kommen. Die jungen Deutschen sind damit Teil eines europäischen Trends, der den etablierten Parteien und damit den traditionellen Institutionen politischer Partizipation keine rosige Zukunft attestieren. Nur 4,6 Prozent der jungen „Durchschnitts-Europäer“ arbeitet aktiv in Parteien mit, während mehr als 20 Prozent an Demonstrationen teilnehmen und 11,1 Prozent bei Nichtregierungsorganisationen (NGO’s) engagiert sind. „Es ist ansprechender, bei Amnesty International mitzumachen, als sich bei den Jusos hochzudienen.“ Man könne „freier agieren als in einem Parteiapparat.“

Aber auch wenn das Problem als erkannt bezeichnet gelten kann, eine Lösung zeichnet sich deshalb noch nicht ab. Wir können Schnupper- und zeitbegrenzte Mitgliedschaften, sowie projektbezogene Mitarbeit anbieten. Wir können Tutzinger Jugendliche bei thematischen Schwerpunkten, die die Angebote an Tutzinger Jugendliche betreffen, mit einbeziehen.

Denn auch unsere Jugend sucht nach Bindungen und Werten, an denen sie sich orientieren und festhalten kann.

Michael Gärtner

0 Kommentare
  1. Timo Burmeister
    Timo Burmeister says:

    Leider ein wirkliches Problem. Natürlich darf man auch nicht vergessen, dass die geforderte „Flexibilität“ und „Mobilität“ bei der jungen Generation dazu beiträgt, keine Bindungen an fixe Orte aufzubauen.

    Antworten

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.